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Heilfasten und ärztlich begleitetes Fasten

Fasten bezeichnet den freiwilligen, zeitlich begrenzten Verzicht auf feste Nahrung oder eine deutliche Reduktion der Energiezufuhr. Dabei stellt der Körper seinen Stoffwechsel schrittweise um und nutzt vermehrt gespeicherte Energiereserven und Ketonkörper.

Ein fachgerecht durchgeführtes Fastenprogramm umfasst mehr als reines „Nichtessen“: Dazu gehören eine sorgfältige Vorbereitung, ausreichende Flüssigkeitszufuhr, ein angepasstes Verhältnis von Bewegung und Ruhe sowie ein langsamer Kostaufbau nach dem Fasten. Welche Fastenform geeignet ist, hängt von der gesundheitlichen Ausgangssituation, möglichen Vorerkrankungen, der Medikation und dem persönlichen Ziel ab.

Modifiziertes Fasten nach Buchinger

Beim modifizierten Buchinger-Fasten werden neben Wasser und ungesüßten Kräutertees geringe Mengen Gemüsebrühe sowie Gemüse- oder Fruchtsaft aufgenommen. Die tägliche Energiezufuhr liegt meist bei etwa 250 bis 500 Kilokalorien.

 

Zu einem strukturierten Fastenprogramm gehören: vorbereitende Entlastungstage, eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr,  individuell angepasste Ruhe und Bewegung, die ärztliche Überprüfung der Medikation, Verlaufskontrollen und ein schrittweiser Kostaufbau.

 

Der Kostaufbau ist ein wesentlicher Bestandteil des Fastens und unterstützt die Rückkehr zu einer ausgewogenen, langfristig umsetzbaren Ernährung

Scheinfasten

Beim Scheinfasten, auch Fasting Mimicking Diet genannt, wird die Energiezufuhr für mehrere Tage deutlich reduziert, ohne vollständig auf feste Nahrung zu verzichten. Eingesetzt werden überwiegend pflanzliche, kohlenhydratreduzierte Mahlzeiten mit einer täglichen Energiezufuhr von etwa 500 bis 800 Kilokalorien.

 

Diese Form kann für Menschen infrage kommen, bei denen ein klassisches Buchinger-Fasten nicht geeignet oder nicht gut umsetzbar ist. Auch hier sollte die Auswahl der Lebensmittel und die Dauer individuell angepasst werden.

Intervallfasten

Beim Intervallfasten wechseln sich Essens- und Fastenphasen regelmäßig ab. Mögliche Varianten sind beispielsweise eine nächtliche Nahrungspause von 14 Stunden oder ein einzelner kalorienreduzierter Tag pro Woche.

 

Bei der 6:1-Methode wird an sechs Tagen regulär gegessen und an einem festen Wochentag die Energiezufuhr auf etwa 500 bis 600 Kilokalorien begrenzt.​Intervallfasten kann bei geeigneten Personen die Gewichtsregulation und bestimmte Stoffwechselparameter unterstützen. Entscheidend sind jedoch die langfristige Umsetzbarkeit, die Ernährungsqualität und die individuelle Verträglichkeit.

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Mögliche Wirkungen​

Während des Fastens sinkt die Verfügbarkeit von Glukose und Insulin. Nach dem Verbrauch eines Teils der Glykogenspeicher steigt die Fettverbrennung und der Körper bildet vermehrt Ketonkörper.

Je nach Fastenform und Ausgangssituation können sich unter anderem Körpergewicht, Blutzuckerregulation, Blutdruck, Blutfette und bestimmte Entzündungsmarker verändern. Die beste klinische Evidenz besteht bisher vor allem für ausgewählte rheumatische und metabolische Erkrankungen. Für weitere chronische Erkrankungen liegen positive, aber noch nicht abschließende Daten vor.

Fasten bei Long COVID und ME/CFS

Fasten könnte bei Long COVID über mehrere Mechanismen unterstützend wirken. Durch die Stoffwechselumstellung sinken unter anderem Glukose- und Insulinspiegel, während Fettverbrennung und Ketonkörperbildung zunehmen. Gleichzeitig werden Signalwege beeinflusst, die mit Entzündungsregulation, oxidativem Stress, mitochondrialem Stoffwechsel und zellulären Reparaturprozessen wie der Autophagie verbunden sind.

Erste klinische Daten sind vielversprechend: In einer randomisierten Crossover-Studie bei 77 Menschen mit Long COVID führte eine Kombination aus zuckerfreier Ernährung, zeitlich begrenzter Nahrungsaufnahme und regelmäßigem längerem Intervallfasten zu einer deutlicheren Abnahme der selbst berichteten Beschwerden als eine mildere Form des zeitlich begrenzten Essens. Unter dem intensiveren Fasten nahm auch die Anzahl der berichteten Long-COVID-Symptome stärker ab. Schwerwiegende unerwünschte Ereignisse wurden nicht beobachtet.  

Auch bei ME/CFS könnten die metabolischen und entzündungsregulierenden Wirkungen theoretisch von Interesse sein. Hier fehlen bislang jedoch belastbare klinische Studien. Deshalb sollte die Fastenform insbesondere bei ausgeprägter PEM, Untergewicht, POTS oder eingeschränkter Belastbarkeit individuell angepasst und ärztlich begleitet werden.

 

Für geeignete Patientinnen und Patienten können dabei eher modifiziertes Buchinger-Fasten, Scheinfasten oder eine vorsichtige Form des Intervallfastens infrage kommen. Entscheidend ist, einen ausreichend wirksamen Stoffwechselreiz zu setzen, ohne den Körper zu überfordern.

Ärztliche Begleitung und Sicherheit

Vor einem mehrtägigen Fasten sollten Indikation, Kontraindikationen und Medikation ärztlich geprüft werden. Je nach Ausgangssituation können Blutbild, Nieren- und Leberwerte, Elektrolyte, Blutzucker, Schilddrüsenwerte oder weitere Untersuchungen sinnvoll sein. 

Nicht geeignet ist prolongiertes Fasten unter anderem in Schwangerschaft und Stillzeit, bei Kachexie oder Sarkopenie, fortgeschrittener Nieren- oder Leberinsuffizienz sowie bei bestehenden oder früheren Essstörungen.  

Medikamente dürfen während des Fastens nicht eigenständig verändert werden.

Ihr individueller Fastenfahrplan

Nach einer ärztlichen Einschätzung wird die passende Fastenform festgelegt. Sie erhalten einen strukturierten Plan für Vorbereitung, Fastentage und Kostaufbau sowie Empfehlungen zu Flüssigkeitszufuhr, Bewegung, Ruhe und Verlaufskontrolle.

 

Ziel ist kein möglichst radikaler Nahrungsverzicht, sondern ein medizinisch sinnvoller und sicherer Fastenreiz, der zu Ihrer gesundheitlichen Situation und Belastbarkeit passt.

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