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Glossar:
Fachbegriffe zu ME/CFS, Long-COVID und Post-Vac-Syndrom einfach erklärt

Wenn Sie an Long-COVID, ME/CFS oder dem Post-Vac-Syndrom leiden, begegnen Ihnen bei der Arztsuche und in Arztbriefen oft komplexe medizinische Fachausdrücke. In meiner Spezialsprechstunde für Integrative und Funktionelle Medizin ist es mir wichtig, dass Sie Ihre Erkrankung verstehen – denn Wissen ist der erste Schritt zur Besserung.

In diesem Glossar übersetze ich für Sie häufig gesuchte Begriffe aus der Forschung und Diagnostik. Zu jedem Begriff finden Sie eine medizinisch präzise Definition und eine einfache, verständliche Erklärung.

 

A

Acetylcholin

Acetylcholin (ACh) ist ein essenzieller Neurotransmitter, der an der Reizübertragung zwischen Nerv und Muskel (neuromucculäre Endplatte) und innerhalb des autonomen Nervensystems beteiligt ist. Er spielt eine wesentliche Rolle für die parasympathische Regulation (z. B. Herzfrequenzsenkung, Verdauungsanregung) und für Gedächtnisprozesse im zentralen Nervensystem. Bei ME/CFS und Long-COVID kann es zu Störungen in der autonomen Regulation kommen (Dysautonomie). Hier können Veränderungen im Acetylcholin-Stoffwechsel mitverantwortlich sein für Symptome wie Kreislaufprobleme, Herzrasen oder Verdauungsbeschwerden (z. B. POTS).

  • Einfach erklärt: Acetylcholin ist ein wichtiger chemischer „Botenstoff“ im Körper. Er sorgt dafür, dass sich Muskeln zusammenziehen können und dass automatische Abläufe (wie ein ruhiger Herzrhythmus oder eine gute Verdauung) reibungslos funktionieren.

Apherese (Blutwäsche)

Die Apherese bezeichnet ein Blutreinigungsverfahren, bei dem bestimmte Bestandteile extrakorporal aus dem Blut gefiltert werden. In Studien zu ME/CFS wird beispielsweise die Immunadsorption eingesetzt, um krankmachende Autoantikörper aus dem Blut zu entfernen. Auch eine HELP-Apherese (zur Entfernung von Gerinnungsfaktoren und Mikrogerinnseln) wird experimentell bei Long-COVID erprobt.

  • Synonyme: Immunadsorption, Plasmaaustausch

  • Einfach erklärt: Als Blutwäsche bezeichnet man Verfahren, bei denen Blut aus dem Körper geleitet, in einer Maschine gereinigt und wieder zurückgegeben wird. Ziel ist es, schädliche Stoffe – wie bestimmte Antikörper oder kleine Blutgerinnsel – aus dem Blut von Long-COVID- oder ME/CFS-Patient:innen zu entfernen.

Autoantikörper (Funktionelle Autoantikörper)

Autoantikörper sind fehlgeleitete Antikörper, die körpereigene Strukturen angreifen statt Krankheitserreger. In der Forschung zu ME/CFS und Long COVID werden funktionelle Autoantikörper gegen Rezeptoren des autonomen Nervensystems diskutiert. Bei etwa 30–40 % der ME/CFS-Patient:innen sind solche Autoantikörper (z. B. gegen beta-1-, beta-2-Adrenozeptoren oder M3/M4-Acetylcholinrezeptoren) nachweisbar.

  • Einfach erklärt: Autoantikörper sind Abwehrstoffe des Immunsystems, die sich irrtümlich gegen das eigene Gewebe richten. Bei ME/CFS und Long-COVID könnten sie wichtige Signalstellen im Körper blockieren und so Beschwerden auslösen.

 

B

Belastungsintoleranz

Belastungsintoleranz beschreibt das Unvermögen, körperliche oder geistige Anstrengungen ohne nachfolgende Verschlechterung des Gesundheitszustandes zu tolerieren. Bereits geringe alltägliche Aktivitäten können zu einer deutlichen Symptomverschlimmerung führen. Bei ME/CFS ist dies ein Leitsymptom und wird als Post-Exertional Malaise (PEM) bezeichnet.

  • Synonyme: Belastungsunverträglichkeit

  • Einfach erklärt: Bei einer Belastungsintoleranz kann der Körper nur sehr wenig leisten, ohne mit einem regelrechten „Crash“ zu reagieren. Wer darunter leidet, fühlt sich nach kleinsten Aufgaben (z. B. Kochen, kurze Wege gehen) plötzlich viel schlechter, als es normalerweise zu erwarten wäre.

Brain Fog (Gehirnnebel / Kognitive Störungen)

„Brain Fog“ bezeichnet kognitive Störungen wie eine stark reduzierte Denk- und Konzentrationsfähigkeit, Wortfindungsstörungen oder Gedächtnischwächen. Bei Long COVID und ME/CFS ist dieses Symptom sehr häufig und wird oft von massiver mentaler Erschöpfung begleitet.

  • Synonyme: Gehirnnebel, Kognitive Dysfunktion, Konzentrationsstörungen

  • Einfach erklärt: Betroffene beschreiben oft, es fühle sich an, als läge ein dichter Nebel über ihren Gedanken. Klares Denken und Konzentration fallen extrem schwer, Dinge werden schnell vergessen und der Geist arbeitet viel langsamer als gewohnt.

C

Chronisches Fatigue-Syndrom (CFS)

Das Chronische Fatigue-Syndrom (CFS) ist eine ältere, aber noch gebräuchliche Bezeichnung für ME/CFS, eine komplexe Erkrankung mit anhaltender, krankhafter Erschöpfung. Charakteristisch sind neben der extremen Fatigue eine deutliche Verschlechterung nach Belastung (PEM), Schlafstörungen, Schmerzen und kognitive Einschränkungen.

  • Synonyme: Myalgische Enzephalomyelitis (ME), ME/CFS, Chronisches Erschöpfungssyndrom

Crash

Als „Crash“ bezeichnen Patient:innen umgangssprachlich den Zustand extremer Symptomverschlechterung im Rahmen der Post-Exertional Malaise (PEM). Ein Crash wird durch physische, kognitive oder emotionale Überlastung auszulösen. Er ist gekennzeichnet durch tiefgreifende Erschöpfung, massive Verstärkung von Schmerzen, Brain Fog und Kreislaufbeschwerden. Ein Crash kann Tage bis hin zu mehreren Wochen oder Monaten andauern und zwingt Betroffene oft zu strikter Bettruhe.

  • Synonyme: Zusammenbruch, PEM-Episode, Exazerbasiert

  • Einfach erklärt: Ein Crash ist ein schwerer gesundheitlicher Einbruch nach einer Überlastung. Der Körper „streikt“ komplett, alte Symptome kommen mit voller Wucht zurück und man ist oft ans Bett gebunden, bis sich das System langsam wieder beruhigt.

D

Dysautonomie (Autonome Dysfunktion)

Die Dysautonomie bezeichnet eine Fehlregulation des autonomen Nervensystems (z. B. Überaktivität des Sympathikus, Unteraktivität des Parasympathikus). Bei ME/CFS und Long-COVID führt dies oft zu Herzrasen, Schwindel, starkem Schwitzen, Blutdruckschwankungen bei aufrechter Körperhaltung (Orthostase) oder Störungen der Magen-Darm- und Urogenitalfunktion.

  • Synonyme: Autonome Dysregulation, Vegetative Funktionsstörung

  • Einfach erklärt: Bei einer Dysautonomie funktioniert das „automatische“ Nervensystem nicht richtig. Das System, das im Hintergrund eigentlich Dinge wie Puls, Blutdruck oder Verdauung regelt, gerät außer Kontrolle.

E

Endotheliale Dysfunktion (Endothelitis)

Das Endothel ist die innerste Zellschicht der Blutgefäße, die den Blutfluss, die Blutgerinnung und Entzündungsprozesse reguliert. Bei einer endothelialen Dysfunktion ist diese Schicht gestört oder entzündet (Endothelitis). In der Pathogenese von Long-COVID und Post-Vac-Syndrom geht man davon aus, dass das Virus (oder Spike-Proteine) das Endothel schädigen. Dies begünstigt die Bildung von Mikrogerinnseln, stört die Sauerstoffversorgung des Gewebes (Hypoxie) und trägt maßgeblich zur Fatigue und zu Gefäßproblemen bei.

  • Synonyme: Gefäßwandentzündung, Endothelschaden

  • Einfach erklärt: Die innerste Auskleidung der Blutgefäße funktioniert nicht mehr richtig oder ist entzündet. Dadurch fließt das Blut schlechter, es können sich kleine Gerinnsel bilden und Organe werden nicht mehr richtig mit Sauerstoff versorgt.

F

Fatigue

Fatigue bezeichnet eine krankhafte, andauernde Form von massiver Müdigkeit und Erschöpfung, die sich durch Ruhe oder Schlaf nicht oder nur unzureichend bessert. Anders als normale „Alltagsmüdigkeit“ ist Fatigue extrem ausgeprägt und geht oft mit Konzentrationsproblemen oder schwerer körperlicher Schwäche einher. Sie tritt bei vielen chronischen Erkrankungen auf (z.B. Krebs, Autoimmunleiden) und ist das Leitsymptom bei ME/CFS und Long COVID. Die Ursachen können chronische Entzündungsprozesse, hormonelle oder neurologische Veränderungen sein.

  • Synonyme: Krankhafte Erschöpfung, Chronische Müdigkeit

  • Einfach erklärt: Fatigue ist eine extreme Erschöpfung, die einfach nicht weggeht – egal, wie viel man schläft oder sich ausruht. Es ist ein Gefühl tiefer Schwäche und mangelnder Belastbarkeit.

Fludrocortison

Fludrocortison ist ein synthetisches Mineralokortikoid, das den Salz- und Wasserhaushalt in den Nieren reguliert, indem es Natrium und Wasser im Körper zurückhält. Dadurch steigen das Blutvolumen und in der Folge der Blutdruck. Bei orthostatischer Hypotonie oder POTS wird es eingesetzt, um die Kreislaufstabilität beim Stehen zu verbessern.

  • Synonyme: Florinef (Handelsname), Mineralkortikoid

  • Einfach erklärt: Ein Medikament, das den Körper anregt, Salz und Wasser zu behalten. Das erhöht die Blutmenge und den Blutdruck, was Menschen mit starken Kreislaufproblemen beim Aufstehen helfen kann.

G

GPCR-Autoantikörper (G-Protein-Coupled Receptor Autoantibodies)

GPCR-Autoantikörper sind fehlgeleitete Antikörper, die körpereigene G-Protein-gekoppelte Rezeptoren (z. B. beta-1-, beta-2-Adrenozeptoren oder Muskarinrezeptoren) attackieren und deren reguläre Funktion stören. Diese Autoimmunreaktion kann das autonome Nervensystem stark beeinträchtigen und Parameter wie Herzfrequenz und Blutdruck verändern. Bei ME/CFS und Long COVID werden GPCR-Autoantikörper in der Pathogenese von POTS, Fatigue oder kognitiven Störungen intensiv diskutiert.

  • Synonyme: G-Protein-gekoppelte Rezeptor-Autoantikörper

  • Einfach erklärt: Bestimmte Abwehrstoffe (Autoantikörper) greifen fälschlicherweise Empfangsstellen (Rezeptoren) im Körper an, die für die Steuerung wichtiger Abläufe wie Herzschlag oder Blutdruck verantwortlich sind. Das stört die Signalübertragung und kann Beschwerden wie Herzrasen oder Erschöpfung auslösen.

Guanfacin

Guanfacin ist ein alpha-2-Adrenozeptor-Agonist, der zentral im Gehirn wirkt. Er verringert die Freisetzung von Noradrenalin und dämpft so sympathische Reaktionen (Stressantwort). Off-label wird es bei Dysautonomien wie POTS eingesetzt, um Symptome wie Herzrasen, innere Unruhe und Konzentrationsstörungen (Brain Fog) zu lindern.

  • Synonyme: Intuniv (Handelsname)

  • Einfach erklärt: Ein Medikament, das die Stresswirkungen im Gehirn beruhigt. Es wird eingesetzt, um das überaktive Nervensystem bei POTS zu dämpfen und mehr innere Ruhe zu schaffen.

H

Histaminintoleranz

Histamin ist ein körpereigener Botenstoff (biogenes Amin), der bei allergischen Reaktionen, Entzündungen und der Magensäureproduktion zentral ist. Er wird von Mastzellen und Basophilen freigesetzt und löst über H1-, H2-, H3- und H4-Rezeptoren Effekte wie Gefäßerweiterung oder Juckreiz aus. Viele Betroffene mit Long-COVID, Post-Vac oder ME/CFS entwickeln eine neu aufgetretene Histaminintoleranz, oft im Rahmen eines Mastzellaktivierungssyndroms (MCAS). Diese überschießende Histaminfreisetzung verstärkt Beschwerden wie Hautreaktionen, Herzrasen, Schwindel und Magen-Darm-Probleme.

  • Einfach erklärt: Histamin ist ein Stoff, den der Körper bei Entzündungen oder Allergien ausschüttet. Er löst z.B. Rötungen oder Juckreiz aus und beeinflusst den Kreislauf. Oft wird eine Unverträglichkeit gegenüber Histamin (auch aus der Nahrung) durch Infektionen wie COVID-19 getriggert.

Hypertonie / Hypotonie (im Kontext von Dysautonomie)

Hypertonie bezeichnet Bluthochdruck, Hypotonie bezeichnet einen zu niedrigen Blutdruck. Bei Patient:innen mit Dysautonomien (wie POTS) im Rahmen von ME/CFS oder Long COVID treten oft unvorhersehbare Blutdruckschwankungen auf, da das autonome Nervensystem die Gefäßspannung nicht mehr korrekt reguliert. Es kann zu plötzlichem Blutdruckabfall (orthostatische Hypotonie) beim Aufstehen oder zu Blutdruckspitzen (hypertensiven Krisen) durch Sympathikusüberaktivierung kommen.

  • Synonyme: Blutdruckschwankungen, Fehlregulation des Blutdrucks

  • Einfach erklärt: Das Nervensystem steuert den Blutdruck nicht mehr richtig. Manche haben plötzlich sehr hohen Blutdruck (oft verbunden mit einem gestressten Gefühl), während bei anderen der Blutdruck beim Aufstehen stark absackt, was zu Schwindel oder Ohnmacht führen kann.

I

Ivabradin

Ivabradin ist ein Wirkstoff, der selektiv den If-Kanal im Sinusknoten des Herzens blockiert. Dadurch wird die Herzfrequenz gesenkt, ohne dass die Kontraktionskraft des Herzens oder der Blutdruck direkt beeinflusst werden. Im Off-label-Gebrauch wird es bei POTS oder Long COVID eingesetzt, um ausgeprägtes, anhaltendes Herzrasen zu behandeln.

  • Synonyme: Procoralan (Handelsname)

  • Einfach erklärt: Ein Herzmedikament, das speziell dafür sorgt, dass der Puls langsamer schlägt, ohne dabei den Blutdruck stark abfallen zu lassen. Es ist hilfreich für Menschen, die unter Herzrasen bei gleichzeitig niedrigem Blutdruck leiden.

L

LDA (Low-Dose Aripiprazol)

LDA steht für Low-Dose Aripiprazol, also den Wirkstoff Aripiprazol in sehr geringer Dosierung (ca. 1–2 mg). Aripiprazol ist primär ein atypisches Antipsychotikum. In dieser minimalen Dosis wird vermutet, dass es neuroinflammatorische Prozesse (Entzündungen im Nervensystem) und eine überschießende Immunaktivität lindern kann. Patient:innen mit ME/CFS berichten teils über Besserungen bei Fatigue, Brain Fog und Schlafstörungen.

  • Synonyme: Niedrig dosiertes Aripiprazol, Low-Dose Abilify

  • Einfach erklärt: Ein Medikament, das in der Psychiatrie eingesetzt wird, aber in einer sehr winzigen Menge bei ME/CFS ausprobiert wird. Man hofft, damit Entzündungen im Körper zu dämpfen und Symptome zu lindern.

LDN (Low-Dose Naltrexon)

LDN ist Naltrexon in sehr niedriger Dosierung (meist 1–5 mg). In der Standarddosierung (50 mg) wird Naltrexon in der Suchtmedizin verwendet. In geringer Menge zeigt es jedoch eine potenziell immunmodulierende und entzündungshemmende Wirkung. Bei ME/CFS, Long COVID und Schmerzsyndromen wie Fibromyalgie berichten einige Patient:innen über eine spürbare Symptomlinderung.

  • Synonyme: Niedrig dosiertes Naltrexon

  • Einfach erklärt: In großer Menge wird das Mittel bei Suchterkrankungen genutzt. In einer Mini-Dosis scheint es jedoch das Immunsystem zu stabilisieren und chronische Entzündungen positiv zu beeinflussen.

Long-COVID

Long-COVID ist ein Sammelbegriff für anhaltende oder neu auftretende gesundheitliche Beschwerden, die mehr als vier Wochen nach einer akuten COVID-19-Infektion bestehen. Zu den häufigsten Symptomen zählen Fatigue, Atemnot, Brain Fog und Muskelschmerzen. Die Pathophysiologie ist komplex und umfasst Autoimmunität, persistierende Virusbestandteile, Endothelschäden und Mikrogerinnsel.

  • Synonyme: Post-COVID-Syndrom, COVID-Langzeitfolgen, PASC (Post-Acute Sequelae of COVID-19)

  • Einfach erklärt: Von Long COVID spricht man, wenn jemand auch Wochen nach einer Corona-Infektion nicht wieder gesund ist. Betroffene fühlen sich anhaltend erschöpft und leiden unter vielfältigen Beschwerden wie Atem- oder Konzentrationsproblemen.

Long-COVID-Behandlung

Bislang existiert keine spezifische, heilende (kausale) Therapie für Long-COVID. Die Behandlung erfolgt integrativ und symptomorientiert. Dazu gehören spezifische Medikamente, Atemphysiotherapie, kognitive Rehabilitation, psychosoziale Unterstützung und essenziell das Energiemanagement (Pacing) bei vorliegender Belastungsintoleranz.

  • Einfach erklärt: Eine „Wunderpille“ gegen Long COVID gibt es leider (noch) nicht. Stattdessen behandeln wir die einzelnen Symptome gezielt durch Trainings, Medikamente und Unterstützung im Alltag. Sehr wichtig ist es, die eigenen Kräfte richtig einzuteilen (Pacing).

Low-Dose Rapamycin

Rapamycin (Sirolimus) ist ein Immunsuppressivum und mTOR-Inhibitor. In niedriger Dosierung wird es experimentell in der Behandlung von ME/CFS und Long-COVID sowie in der Longevity-Medizin erforscht. Es besteht die Annahme, dass es chronische, unterschwellige Entzündungen dämpft und zelluläre Reparaturprozesse (Autophagie) normalisiert.

  • Synonyme: Sirolimus (niedrig dosiert)

  • Einfach erklärt: Ein Medikament, das normalerweise genutzt wird, damit der Körper transplantierte Organe nicht abstößt. In winziger Dosis wird es in der Forschung getestet, um schädliche Entzündungen bei ME/CFS und Long-COVID zu vermindern.

M

Mastzellaktivierungssyndrom (MCAS)

Das Mastzellaktivierungssyndrom (MCAS) ist eine immunologische Störung, bei der Mastzellen überschießend reagieren und unkontrolliert Botenstoffe wie Histamin, Leukotriene oder Prostaglandine freisetzen. Diese Mediatoren lösen vielfältige Symptome aus: Hautrötungen, Juckreiz, Schwindel, gastrointestinale Beschwerden, Herzrasen oder Atemnot. Triggersituationen (Stress, Nahrungsmittel, Temperaturwechsel) verstärken die Symptomatik. MCAS tritt häufig als Begleiterkrankung bei ME/CFS oder Long-COVID auf. Therapeutisch werden H1-/H2-Antihistaminika, Mastzellstabilisatoren und Karenzmaßnahmen eingesetzt.

  • Synonyme: Mastzellüberaktivität

  • Einfach erklärt: Bei MCAS sind bestimmte Abwehrzellen (Mastzellen) extrem empfindlich und schütten zu viele Entzündungsstoffe aus. Das verursacht Symptome am ganzen Körper – von Hautausschlägen über Herzklopfen bis zu Verdauungsproblemen. Oft verschärft MCAS die Symptome von Long-COVID oder ME/CFS deutlich.

Mastzellen

Mastzellen sind spezialisierte Abwehrzellen des angeborenen Immunsystems, die sich in Geweben befinden, die Kontakt zur Außenwelt haben (z.B. Haut, Lunge, Magen-Darm-Trakt, Nervensystem). Sie speichern in kleinen Bläschen (Granula) über 200 Botenstoffe (Mediatoren), darunter Histamin, Heparin und Zytokine. Werden Mastzellen aktiviert (durch Erreger, Allergene, Stress), schütten sie diese Stoffe aus, um eine Abwehrreaktion einzuleiten. Bei ME/CFS und Long COVID sind diese Zellen oft dauerhaft hyperaktiviert (siehe MCAS).

  • Synonyme: Gewebemastzellen, Mastocyten

  • Einfach erklärt: Mastzellen sind wie die "Alarmanlagen" unseres Immunsystems. Sie sitzen überall im Körper. Wenn sie aktiviert werden, schütten sie viele Stoffe aus, die Entzündungen auslösen. Bei Erkrankungen wie Long COVID reagieren sie oft überempfindlich und schlagen grundlos Alarm.

ME/CFS (Myalgische Enzephalomyelitis / Chronisches Fatigue-Syndrom)

ME/CFS ist eine schwere neuroimmunologische Multisystemerkrankung. Das Kardinalsymptom ist eine ausgeprägte, anhaltende Fatigue, verbunden mit einer massiven Zustandsverschlechterung nach geringer Belastung (PEM). Hinzu kommen neurologische, immunologische und autonome Dysfunktionen wie Brain Fog, orthostatische Intoleranz, nicht erholsamer Schlaf und Muskelschmerzen.

  • Synonyme: Myalgische Enzephalomyelitis (ME), Chronisches Fatigue-Syndrom, Chronic Fatigue Syndrome

  • Einfach erklärt: Eine schwere chronische Krankheit, bei der man extrem erschöpft ist und sich schon nach minimalen Aktivitäten drastisch schlechter fühlt (Crash). Betroffene leiden massiv unter Schmerzen, Schlaf-, Kreislauf- und Konzentrationsproblemen.

Mestinon (Pyridostigmin)

Mestinon (Wirkstoff Pyridostigmin) ist ein Cholinesterasehemmer. Es blockiert den Abbau von Acetylcholin im synaptischen Spalt. Während es primär bei Myasthenia gravis eingesetzt wird, findet es Off-label Anwendung bei Dysautonomien (z.B. POTS), da es die sympathische Überaktivität dämpfen und den Kreislauf über das autonome Nervensystem stabilisieren kann.

  • Synonyme: Pyridostigmin

  • Einfach erklärt: Mestinon bremst den Abbau eines wichtigen Botenstoffs im Nervensystem. Es hilft dabei, Nervensignale zu verstärken, was zum Beispiel gegen Schwindel und Herzrasen beim Aufstehen wirken kann.

Midodrin

Midodrin ist ein alpha-1-Adrenozeptor-Agonist. Durch die Stimulation der Rezeptoren in den Blutgefäßen kommt es zu einer Gefäßverengung (Vasokonstriktion) und einem Blutdruckanstieg. Es wird zur Behandlung von schwerer orthostatischer Hypotonie oder POTS eingesetzt, um abrupte Blutdruckabfälle beim Aufstehen zu verhindern.

  • Synonyme: Gutron (Handelsname)

  • Einfach erklärt: Midodrin verengt die Blutgefäße, wodurch der Blutdruck steigt. Dies hilft Patient:innen mit POTS oder starken Kreislaufproblemen, beim Aufstehen nicht ohnmächtig zu werden oder starken Schwindel zu erleiden.

Mikrogerinnsel (Microclots)

Mikrogerinnsel sind kleinste, oft atypische Fibrin-Amyloid-Blutgerinnsel, die die mikrovaskuläre Zirkulation (Mikrozirkulation) in den Kapillaren behindern. Sie wurden in der Forschung zu Long-COVID als potenzieller Pathomechanismus identifiziert. Durch die Einschränkung des Blutflusses kommt es zu einer Hypoxie (Sauerstoffmangel) in Geweben und Organen, was Symptome wie Fatigue und Brain Fog erklären könnte.

  • Synonyme: Mikrothromben, Microclots

  • Einfach erklärt: Das sind winzige Blutpfropfen, die ganz kleine Blutgefäße verstopfen können. Dadurch werden die Organe nicht mehr optimal mit Sauerstoff versorgt. Bei Long-COVID vermutet man, dass diese Gerinnsel die Erschöpfung stark fördern.

N

Nebivolol

Nebivolol ist ein kardioselektiver Beta-1-Rezeptorenblocker, der zusätzlich gefäßerweiternde (vasodilatierende) Eigenschaften besitzt, welche durch die Freisetzung von Stickstoffmonoxid (NO) vermittelt werden. Er wird regulär bei Bluthochdruck eingesetzt. Im Off-label-Einsatz bei POTS oder Long-COVID hilft er, die Herzfrequenz zu kontrollieren, ohne die periphere Durchblutung zu verschlechtern.

  • Synonyme: Nebilet (Handelsname)

  • Einfach erklärt: Ein moderner Betablocker, der den Puls beruhigt und gleichzeitig die Blutgefäße entspannen kann. Das hilft, das Herz-Kreislauf-System bei Herzrasen (z. B. durch POTS) zu entlasten.

Neuroinflammation

Neuroinflammation ist der medizinische Fachbegriff für chronische oder akute Entzündungsprozesse im zentralen Nervensystem (ZNS), also in Gehirn und Rückenmark. Sie wird oft durch eine Aktivierung der Mikroglia (der "Aufräumzellen" des Gehirns) ausgelöst. In der aktuellen Forschung gilt Neuroinflammation als einer der Haupttreiber für neurologische Symptome bei ME/CFS, Long COVID und dem Post-Vac-Syndrom, insbesondere für Brain Fog, Fatigue, Schlafstörungen und eine erhöhte Schmerzempfindlichkeit.

  • Synonyme: Gehirnentzündung (nicht im Sinne einer akuten Enzephalitis), Nervenentzündung

  • Einfach erklärt: Das bedeutet, dass es im Gehirn und Nervensystem eine Art schwelende, anhaltende Entzündung gibt. Diese Entzündung wird von den körpereigenen Abwehrzellen im Gehirn verursacht und macht sich durch Konzentrationsprobleme ("Gehirnnebel") und extreme Erschöpfung bemerkbar.

NSE (Neuronenspezifische Enolase)

Die Neuronenspezifische Enolase (NSE) ist ein Enzym, das hauptsächlich im Zytoplasma von Neuronen (Nervenzellen) und neuroendokrinen Zellen vorkommt. Erhöhte NSE-Spiegel in Blut oder Liquor sind ein Biomarker für neuronalen Schädigungen. In der Forschung zu Long-COVID und ME/CFS wird diskutiert, inwiefern erhöhte Werte auf eine Beteiligung des zentralen oder peripheren Nervensystems hindeuten.

  • Einfach erklärt: NSE ist ein Stoff, der sich vor allem in den Nervenzellen befindet. Wenn Nervenzellen beschädigt oder gestresst werden, gelangt NSE ins Blut. Ein erhöhter Wert kann ein Hinweis darauf sein, dass im Nervensystem etwas nicht stimmt.

O

Off-Label-Use (Off-Label-Therapie)

Off-Label-Use bezeichnet den zulassungsüberschreitenden Einsatz eines Arzneimittels. Das bedeutet, ein Medikament wird für eine Krankheit, eine Altersgruppe oder in einer Dosierung eingesetzt, für die es von den Zulassungsbehörden (wie der EMA oder dem BfArM) formell (noch) keine explizite Zulassung hat. Da es für ME/CFS und Long COVID bisher kaum spezifisch zugelassene Medikamente gibt, basiert die medikamentöse Therapie in Spezialpraxen häufig auf gut begründeten Off-Label-Ansätzen.

  • Synonyme: Zulassungsüberschreitender Gebrauch, Heilversuch

  • Einfach erklärt: Ein Medikament wird gegen eine Krankheit eingesetzt, für die es ursprünglich nicht entwickelt oder zugelassen wurde. Da es bei neuen Erkrankungen wie Long COVID noch keine speziell zugelassenen Pillen gibt, nutzen Ärzt:innen Erfahrungswerte aus der Forschung, um Medikamente aus anderen Bereichen erfolgreich anzuwenden.

Orthostatische Intoleranz

Orthostatische Intoleranz beschreibt die Unverträglichkeit der aufrechten Körperhaltung (Stehen oder rasches Aufrichten), resultierend aus einer Fehlregulation des kardiovaskulären und autonomen Nervensystems. Symptome umfassen Schwindel, Tachykardie (Herzrasen), Präsynkopen (Beinahe-Ohnmacht) und Schwäche. Sie ist ein häufiges Symptom bei Dysautonomien, POTS, ME/CFS und Long-COVID.

  • Synonyme: Orthostaseintoleranz, Kreislaufdysregulation, Orthostase-Syndrom

  • Einfach erklärt: Der Körper hat Probleme, den Kreislauf beim Aufstehen oder längeren Stehen stabil zu halten. Das Blut sackt in die Beine und man bekommt Herzklopfen, Schwindel oder es wird einem „schwarz vor Augen“.

P

Pacing (Energiemanagement)

Pacing ist eine essenzielle therapeutische Strategie zur Aktivitätssteuerung bei ME/CFS und Long-COVID. Das Ziel ist es, strikt innerhalb der individuellen körperlichen und kognitiven Energiegrenzen zu bleiben, um Post-Exertional Malaise (Crashs) zu vermeiden. Zur Umsetzung gehören Aktivitätstagebücher, präventive Ruhepausen und teils das Monitoring der Herzfrequenz.

  • Synonyme: Energieeinteilung, Belastungsmanagement, Pacing-Strategie

  • Einfach erklärt: Pacing bedeutet, seine Kräfte sehr bewusst einzuteilen und nicht über die eigenen Grenzen zu gehen. Man baut viele Pausen in den Alltag ein, um zu verhindern, dass der Körper durch Überlastung völlig zusammenbricht.

Pacing-Begleitung

Pacing-Begleitung ist die strukturierte, professionelle Unterstützung durch ärztliches Personal, Therapeuten oder Coaches beim Erlernen des Pacing. Dies umfasst die Erstellung von Aktivitäts-Ruhe-Profilen, das Erkennen individueller Belastungsgrenzen und die Etablierung eines nachhaltigen Alltagsrhythmus zur Crash-Vermeidung.

  • Synonyme: Pacing-Training, Angeleitetes Pacing, Health Coaching

  • Einfach erklärt: Es ist oft schwer, Pacing allein im Alltag umzusetzen. Bei der Begleitung hilft eine Fachperson dabei, die eigenen Grenzen zu erkennen, Pläne zu erstellen und die Energie so einzuteilen, dass Rückschläge vermieden werden.

Pacing-Tagebuch (Aktivitätstagebuch)

Ein Pacing-Tagebuch ist ein essenzielles Instrument im Rahmen des Pacing (Energiemanagements). Patient:innen protokollieren darin detailliert ihre täglichen Aktivitäten (kognitiv, physisch, emotional), ihre Ruhepausen sowie ihre Symptomintensität und Herzfrequenz. Es dient dazu, Muster zu erkennen, die individuelle Belastungsgrenze (Baseline) zu ermitteln und verzögerte Reaktionen (PEM) auf bestimmte Trigger sichtbar zu machen.

  • Synonyme: Symptomtagebuch, Energie-Tracker

  • Einfach erklärt: Ein Notizbuch oder eine App, in dem Betroffene genau aufschreiben, was sie getan haben und wie sie sich danach fühlen. Das hilft enorm dabei, die eigenen Grenzen kennenzulernen und herauszufinden, welche Aktivitäten (oft erst am nächsten Tag) zu einem Rückschlag führen.

PEM (Post-Exertional Malaise)

Post-Exertional Malaise (PEM) bezeichnet die unverhältnismäßige Verschlechterung der Gesamtsymptomatik nach physischer, kognitiver oder emotionaler Anstrengung. Das Einsetzen erfolgt oft zeitverzögert (Stunden bis 48 Stunden später). PEM ist das pathognomonische (kennzeichnende) Leitsymptom von ME/CFS und führt zu einer tiefgreifenden Erschöpfung (Crash), Schmerzen und verstärktem Brain Fog. Auch bei Long-COVID kann PEM auftreten.

  • Synonyme: Belastungsinduzierte Verschlechterung, Post-Exertionelle Malaise, PESE (Post-Exertional Symptom Exacerbation)

  • Einfach erklärt: PEM bedeutet, dass man nach einer Aktivität – das kann schon ein Gespräch oder ein kurzer Spaziergang sein – regelrecht „abstürzt“. Man fühlt sich viel kränker und erschöpfter als zuvor. Dieser „Crash“ kann tagelang anhalten und tritt oft erst mit Verzögerung auf.

Post-COVID-Syndrom (PCS)

Das Post-COVID-Syndrom (bzw. Post-COVID-19 Condition gemäß WHO) ist die offizielle medizinische Bezeichnung für gesundheitliche Beschwerden, die länger als drei Monate (12 Wochen) nach einer SARS-CoV-2-Infektion fortbestehen und nicht anderweitig erklärbar sind. Symptomatisch gibt es große Überschneidungen mit dem Begriff Long-COVID (der ab 4 Wochen nach Infektion verwendet wird).

  • Synonyme: Post-COVID-19-Condition

  • Einfach erklärt: Das ist der medizinische Fachbegriff für die Langzeitfolgen nach einer Corona-Infektion, wenn die Beschwerden auch nach drei Monaten nicht verschwunden sind.

Post-Vac-Syndrom

Das Post-Vac-Syndrom (Post-Vaccine-Syndrome) ist ein Begriff für neu auftretende, langanhaltende Beschwerden im zeitlichen Zusammenhang mit einer COVID-19-Impfung, ohne vorherige SARS-CoV-2-Infektion. Die Symptomatik gleicht häufig der von Long-COVID oder ME/CFS (u.a. Fatigue, Brain Fog, POTS). Als Pathomechanismen werden aktuell aberrante Immunreaktionen, Autoimmunprozesse oder Endothelfunktionsstörungen diskutiert.

  • Synonyme: Post-Vakzin-Syndrom, Impfkomplikation

  • Einfach erklärt: Das Syndrom ähnelt stark Long-COVID, die Beschwerden (wie Erschöpfung, Herzrasen) traten jedoch nach der Impfung auf. Die genauen Mechanismen im Körper werden aktuell intensiv erforscht.

POTS (Posturales orthostatisches Tachykardie-Syndrom)

POTS ist eine spezifische Form der autonomen Dysfunktion (Dysautonomie) und orthostatischen Intoleranz. Diagnostisches Kriterium ist ein anhaltender Anstieg der Herzfrequenz um mindestens 30 Schläge pro Minute (bei Jugendlichen >40 bpm) innerhalb von 10 Minuten nach dem Aufrichten aus dem Liegen, ohne signifikanten Blutdruckabfall. Typische Begleitsymptome sind Palpitationen, Benommenheit, Tremor und Präsynkopen. POTS ist eine häufige Komorbidität bei ME/CFS und Long-COVID.

  • Synonyme: Posturales Tachykardie-Syndrom

  • Einfach erklärt: Beim Aufstehen aus dem Liegen oder Sitzen schießt der Puls bei POTS massiv in die Höhe und normalisiert sich im Stehen nicht. Das führt zu starkem Herzklopfen, Schwindel und Zittrigkeit.

Prolongierte Rekonvaleszenz

Eine prolongierte Rekonvaleszenz beschreibt eine ungewöhnlich verzögerte oder langwierige Erholungsphase (Genesung) nach einer akuten Erkrankung. Im Kontext von COVID-19 kann dies den fließenden Übergang in ein Long-COVID- oder Post-COVID-Syndrom darstellen.

  • Synonyme: Verlängerte Genesungsphase

  • Einfach erklärt: Es bedeutet, dass die Erholung nach einer Infektion viel länger dauert als normal. Man fühlt sich auch Wochen später noch schwach und krank.

Propranolol

Propranolol ist ein nicht-selektiver Betablocker, der beta-1- und beta-2-Adrenozeptoren antagonisiert. Durch seine Lipophilie passiert er leicht die Blut-Hirn-Schranke. Neben kardiologischen Indikationen wird er off-label zur Behandlung der sympathischen Überaktivität bei POTS eingesetzt, um die Herzfrequenz zu stabilisieren.

  • Synonyme: Inderal (Handelsname)

  • Einfach erklärt: Ein Medikament, das den Herzschlag beruhigt und den Blutdruck senkt, indem es die Stresssignale des Körpers blockiert. Es wird häufig eingesetzt, um das unangenehme Herzrasen bei POTS zu lindern.

S

S100 (S100B)

S100 ist eine Familie von Calcium-bindenden Proteinen. Das Protein S100B wird vor allem von Astrozyten im zentralen Nervensystem (ZNS) gebildet. Erhöhte Serumspiegel gelten als Biomarker für eine astrozytäre Aktivierung oder Schädigungen der Blut-Hirn-Schranke. In der Forschung zu neuroinflammatorischen Prozessen bei Long-COVID oder ME/CFS wird S100B als potenzieller Marker für neurologischen Stress diskutiert.

  • Synonyme: S100-Protein

  • Einfach erklärt: S100 is ein Eiweiß, das im Nervensystem vorkommt. Wenn Nervengewebe gestresst oder entzündet ist, kann dieser Wert im Blut ansteigen.

Small Fiber Neuropathy (SFN)

Die Small Fiber Neuropathie (SFN) ist eine periphere Nervenerkrankung, die isoliert die kleinen, unmyelinisierten (C-Fasern) und dünn myelinisierten (A-delta-Fasern) Nervenfasern betrifft. Diese sind für die Schmerz- und Temperaturwahrnehmung sowie für autonome Funktionen (Schwitzen, Gefäßregulation) zuständig. Schäden äußern sich durch neuropathische Schmerzen (Brennen, Kribbeln) und autonome Dysfunktion. SFN wird in Studien gehäuft bei Patient:innen mit ME/CFS, POTS und Long COVID nachgewiesen.

  • Synonyme: Dünnfaserneuropathie, Small Fiber-Neuropathie

  • Einfach erklärt: Hierbei sind winzige Nervenfasern geschädigt, die unter anderem für das Schmerzempfinden und die Steuerung der Blutgefäße zuständig sind. Das führt zu brennenden Schmerzen, Kribbeln und Kreislaufproblemen.

Sympathikusüberaktivierung

Die Sympathikusüberaktivierung bezeichnet einen Zustand chronisch erhöhten Tonus des sympathischen Nervensystems („Fight-or-Flight“-System). Pathologisch führt dies zu persistierender Tachykardie, arterieller Hypertonie, Schlafarchitekturstörungen, Hyperhidrose und gastrointestinaler Dysmotilität. Dieser Zustand ist charakteristisch für Dysautonomien im Rahmen von ME/CFS und Long COVID.

  • Synonyme: Erhöhter Sympathikotonus, Sympathikotonie, Hyperarousal

  • Einfach erklärt: Der Körper befindet sich in einem ständigen "Daueralarm", als wäre man akut in Gefahr. Das Stress-Nervensystem ist überaktiv. Man fühlt sich gehetzt, das Herz rast, man kommt nicht zur Ruhe und schläft extrem schlecht.

V

Vagusnerv (Nervus Vagus)

Der Vagusnerv ist der längste Hirnnerv (X. Hirnnerv) und der wichtigste Nerv des parasympathischen Nervensystems („Ruhenerv“). Er verläuft vom Gehirn über Hals und Brust bis in den Bauchraum und steuert nahezu alle inneren Organe (Herz, Lunge, Verdauung). Zudem hat er stark entzündungshemmende Eigenschaften. Bei Dysautonomien, wie sie bei ME/CFS und Long COVID auftreten, ist die Funktion des Vagusnervs oft eingeschränkt, was zu einem Überwiegen des "Stressnervs" (Sympathikus) führt. Therapien zur Vagusnerv-Stimulation zielen darauf ab, dieses Ungleichgewicht zu beheben.

  • Synonyme: Nervus Vagus, Ruhenerv

  • Einfach erklärt: Das ist der wichtigste "Entspannungs-Nerv" in unserem Körper. Er verbindet das Gehirn mit den Organen und sorgt dafür, dass sich der Herzschlag beruhigt und die Verdauung läuft. Wenn er nicht richtig funktioniert, fühlt sich der Körper ständig gestresst.

VEGF (Vascular Endothelial Growth Factor)

VEGF (Vascular Endothelial Growth Factor) ist ein Signalprotein (Zytokin), das die Angiogenese (Neubildung von Blutgefäßen) stimuliert und die Gefäßpermeabilität (Durchlässigkeit) reguliert. Bei chronischen Entzündungsprozessen oder pathologischer Hypoxie (Sauerstoffmangel im Gewebe), wie sie bei Mikrogerinnseln im Rahmen von Long-COVID diskutiert werden, können die VEGF-Spiegel verändert sein, was die Mikrozirkulation beeinträchtigt.

  • Synonyme: Gefäßendothel-Wachstumsfaktor

  • Einfach erklärt: VEGF ist ein Stoff, der dem Körper befiehlt, neue Blutgefäße zu bilden und die Durchblutung anzuregen. Bei Krankheiten wie Long-COVID kann dieser Prozess gestört sein, was die Versorgung der Gewebe mit Sauerstoff verschlechtert.

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